Bautenschutz

Moderne Bauweisen haben Baustoffreserven nach bauphysikalischen Gesichtspunkten optimiert. Damit wächst die Bedeutung der Bauphysik und Baustoffkunde zur Erreichung bzw. Einhaltung einer normativen Lebensdauer sowie einer gesunden und behaglichen Wohnatmosphäre.

Sind die bauphysikalischen Bedingungen weitestgehend unverändert, so haben sich Baustoffe in Geometrie, Beschaffenheit, Eigenschaft und Verhalten wesentlich verändert.

Leider bleiben dabei immer öfter humanpysiologische- und Umweltansprüche auf der Strecke. Selbst die Ing.-Ausbildung weicht ähnlich der Medizin teilweise vor industriellen Interessen zurück.

Die Anforderungen zur Einhaltung anerkannter Regeln der Baukunst durch Feuchtigkeits-. Schall- und Wärmeschutz sind in den letzten 30 Jahren maßgeblich gestiegen. Brandschutz, konstruktiver und passiver Holzschutz sowie baubiologische Maßnahmen ergänzen den Komplex des Bautenschutzes.

Alle Teilgebiete der Bauphysik und deren bauliche Maßnahmen stehen in engem Zusammenhang und sind insgesamt konstruktionsbestimmend. Deshalb kommt dabei der sinnvollen Ausbildung eine besonders hohe Bedeutung zu, die praktisch bei veränderten Baustoff-Kennwerten mit Sachkenntnis und Kreativität umgesetzt werden muß.

■ Im Feuchtigkeitsschutz sind die Angriffsformen von Wasser und Feuchtigkeit unverändert geblieben. Veränderte Baustoffe erfordern in Planung und Ausführung ausgeklügelte Konstruktionsdetails. Dabei ist festzustellen, daß Einsparungen an Materialkosten geringer ausfallen als der konstruktive und manuelle Aufwand der Schutzkonstruktionen. Inwieweit sich Klimaveränderungen qualitativ und quantitativ auf das Bauwerk auswirken, bleibt abzuwarten, sollte aber nicht vernachlässigt werden. Mit Besorgnis stelle ich fest, daß Probleme des Frost-Tau-Wechsels mehr und mehr vernachlässigt werden.

■ Der Schallschutz ist materialtechnisch und konstruktiv den wachsenden Emissionen der Umwelt gewachsen. Besondere Beachtung verdient der Schallschutz im Gebäudeinneren. Durch die extreme Spezifizierung von Erlebnisbereichen im Gebäude, aber auch durch die Installation von Lärmquellen im Gebäude, entscheidet er maßgeblich die Wohnqualität.

■ Der Wärmeschutz ist durch den ökonomischen Zwang zur Energieeinsparung und Dank der Medien schon in aller Munde. Die Energieeinsparverordnung 2002 (EnEV) hat die alte Wärmeschutzverordnung mit wesentlich höheren Forderungen abgelöst. Diese sind mit den EnEV’s 2004, 2007 und 2009 weiter verschärft worden. Und die erwartete EnEV 2012 soll noch einen Zacken draufsetzen. Dabei besteht die nicht unerhebliche Gefahr, daß sich Anordnung, Über-oder Unterorganisiertheit und Durchsetzung in einen ungesunden Widerspruch verstricken. Wesentliche Ursache sind wiederum industrielle Interessen. Leider werden die Beziehungen von Luftfeuchtigkeit und Behaglichkeit im Verhältnis zur Raumlufttemperatur mehr und mehr vernachlässigt. Wiederum Folge industieller Interessen. Trockene Luft bedarf einer höheren Temperatur bis zur Behaglichkeitsschwelle als feuchere Luft. Das bringt den Energieversorgern zusätzlichen Umsatz und Gewinn.

■ Da Holz im Bauwesen zwar beliebt, aber mit Abstand die geringste Lebensdauer anderer Baustoffe besitzt, kommt dem Holzschutz besondere Bedeutung zu. Verhindert der konstruktive Holzschutz den Feuchte-, Insekten- und Pilzbefall hölzerner Bauteile, so wird das Holz im passiven Holzschutz durch Imprägnierung, Tauchen und Anstrich vor Befall und Zerstötung geschützt.

■ Der Erschütterungsschutz sei hier nur der Vollständigkeit halber genannt. Mit Ausnahmen (z.B. Eifel) spielen Erbeben in Deutschland nur eine geringe Rolle. Nicht unterschätzen sollte man jedoch auch ehemalige Bergbaugebiete, wo Erdschläge, Erdrutsche in letzter zeit zunehmen. Nutzungsbedingt reduziert sich der Erschütterungsschutz auf Spezialbauwerke wie Tribünen, Brücken und nutzungsinduzierte Vibrationen. Dabei werden Resonanzerscheinungen und hochfrequente Lastwechsel in den Blick genommen.

Baubiologische Maßnahmen fristen ein Schattendasein und beschränken sich überwiegend auf Havariefälle. Hauptgegenstand ist die Optimierung des Raumklimas in Verbindung mit den beteiligten Baustoffen, deren Emissionen und der menschlichen Gesunderhaltung.

■ Nicht unmittelbar, gehört der Brandschutz natürlich auch zum Bautenschutz. Da es letztendlich dabei aber vor allem um den Schutz von Menschenleben geht, ist deren Überorganisiertheit zwar verständlich, aber nicht immer vernünftig und zielführend bei der Beurteilung von Risiko und Warscheinlichkeit.

■ Den ungeliebten, weil oftmals lebensfremden Denkmalschutz schenke ich mir. Ich bin kein Kulturbanause und rede auch der Ökonomie nicht das Wort, aber das Ego so manches Funktionärs ist oft unerträglich.

Mit dieser Kurzcharakteristik habe ich Ihnen m.E. das Wichtigste zu diesem Thema und Ihrer Orientierung mitgeteilt. In Fachbüchern können Sie weit mehr lesen. Ich kann Ihnen auch noch mehr erklären. Aber, Verzeihung,  als Baulaie verstehen Sie deshalb auch nicht mehr. Und das, was Sie nicht verstehen, verwirrt Sie nur unnötig. Im Bedarfsfall fragen Sie einfach mich. In Zeiten des web2.0 ist das ja nun kein Problem mehr.

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